IMPLANTATLEXIKON – TYPEN, MATERIALIEN & TECHNIKEN
Fachwissen verständlich erklärt für Ihre optimale Versorgung
Implantatformen im Überblick
Welche Form gewählt wird, hängt vor allem von der individuellen Knochendichte des Kiefers ab:
- Schraubenimplantate: Der heutige Standard und am häufigsten eingesetzt. Man unterscheidet selbstschneidende Gewinde (direkt eindrehbar) und klassische Gewinde (erfordern ein vorgebohrtes Knochenbett).
- Diskimplantate (BOI): Basale Scheibenimplantate für stark zurückgebildeten Kieferknochen, wenn herkömmliche Schrauben keinen ausreichenden Halt mehr finden.
- Ältere Varianten wie Hohlzylinder- oder Blattimplantate gelten inzwischen als überholt und werden kaum noch verwendet.
Materialien: Titan vs. Keramik & Zirkoniumdioxid
Für eine stabile Einheilung (Osseointegration) und gute Verträglichkeit kommen verschiedene Werkstoffe in Frage:
- Titanimplantate: Nach wie vor die erste Wahl. Reintitan ist hervorragend verträglich, löst in der Regel keine Allergien aus und verbindet sich fest und dauerhaft mit dem Knochen.
- Zirkoniumdioxid: Eine moderne Hochleistungskeramik für hohe ästhetische Ansprüche. Erste Erfahrungen zeigen jedoch oft ein schwächeres Einwachsen ins Knochengewebe – deshalb bleibt Titan weiterhin führend.
- Klassische Keramikimplantate erwiesen sich häufig als zu spröde und neigten zu Brüchen; sie sind heute kaum noch gebräuchlich.
Ein- und zweiteilige Implantate
Der Aufbau richtet sich nach dem Behandlungsziel:
- Zweiteilige Implantate: Implantatkörper und Verbindungsstück (Abutment) sind getrennt. Das Implantat heilt geschützt unter dem Zahnfleisch ein, was die Osseointegration unterstützt. Bietet maximale Flexibilität.
- Einteilige Implantate: Implantat und Abutment sind aus einem Stück gefertigt. Der Kopf ragt aus dem Zahnfleisch heraus. Sie sind kostengünstiger, sehr bruchfest und gut für Sofortbelastung geeignet – allerdings mit etwas höherem Reizrisiko während der Einheilphase.
Einteilung nach Verwendungszweck & Position
- Enossale Implantate: Der Standard in unserer Klinik. Sie werden fest in den Kieferknochen gesetzt und dienen als künstliche Zahnwurzel für Kronen, Brücken oder Prothesen.
- Subperiostale Implantate: Liegen bei extremem Knochenverlust großflächig auf dem Knochen auf (besonders in den USA verbreitet).
- Basalimplantate (BOI): Seitlich am Knochen verankert, ideal bei geringer Knochenhöhe, starkem Rauchen, Diabetes oder wenn eine schnelle Lösung innerhalb weniger Tage gewünscht wird.
- Schmalkieferimplantate (Miniimplantate): Durchmesser von 1,8 bis 3,1 mm für sehr schmale Kieferverhältnisse.
Besonderheiten & Vorteile basaler Implantate
Basal- und Sofortimplantate eröffnen Behandlungswege, wenn herkömmliche Methoden an Grenzen stoßen:
- Einsetzbar in den allermeisten Fällen – auch bei starkem Knochenabbau oder systemischen Erkrankungen.
- Fester Zahnersatz oft schon innerhalb von vier Tagen möglich.
- Implantation direkt nach einer Zahnextraktion möglich – ohne zusätzlichen Freilegungseingriff.
- Besonders geeignet für Patienten, die eine zügige Gesamtrehabilitation des Kiefers wünschen.